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Geschrieben von SWINE   
Samstag, 25. März 2006

Eine Historische Zusammenfassung des Vietnamkrieges

Die Entwicklung von Krieg zu Krieg
 

Seit ca. 2000 Jahren wurde Vietnam von China unterdrückt, bis es Mitte des 19 Jh. Frankreich zur Kolonie machte und es mit Laos und Kambodscha zu Indochina vereinigte. Nach dem Abzug der Franzosen 1940 Frankreich war von Hitlers Armeen besiegt, nutzen die Japaner die Gunst der Stunde, um sich das Land - zumindest als Militärstützpunkt- anzueignen. Nach der Kapitulation Japans im Jahre 1945, holte sich Frankreich das Land als Kolonie zurück. Man einigte sich 1946 in einem französisch - vietnamesischem Abkommen auf den Status eines „freien Staates“ innerhalb der französischem Union.
Viele Vietnamesen wünschten sich aber in dieser Zeit endlich die Unabhängigkeit und Freiheit.
So bildete sich schnell der von Ho Chi Minh geführte, kommunistische Widerstand der Vietnamesen. Dieser war nach der entscheidenden Niederlage des franz Expeditionskorps bei der Festung Dien Bien Phu siegreich.
Daraufhin, am 21 Juli 1954, wurde auf der Genfer Indochina-Konferenz ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Vietnam wurde geteilt – in eine nördliche, kommunistische Hälfte als Volksrepublik unter Ho Chi Minh und in eine südliche, prowestliche Hälfte mit Regierungschef Ngo-Dinh Diem. Die Grenze sollte hauptsächlich am Fluss Ben Hai, in der Nähe des 17 Breitengrades, verlaufen.
Tragisch genug, hätte dies schon eine halbwegs zufrieden stellende Lösung sein können, zumal das Abkommen von Genf eigentlich noch eine Wiedervereinigung und gesamtvietnamesische Neuwahlen innerhalb von 2 Jahren vorsah. Die USA und Großbritannien hatten jedoch aus Angst vor jeder weiteren Ausdehnung des Kommunismus bereits vor der Konferenz deutlich gemacht, niemals Abkommen, die Südvietnam, Laos oder Kambodscha unter kommunistische Herrschaft geraten lassen könnten, zu unterstützen. Die USA weigerten sich, das Abkommen zu unterzeichnen und machten sich zur Schutzmacht von Südvietnam. 20000 amerikanische Soldaten wurden als Berater und Pioniere im Land stationiert.
Das prowestliche Südvietnam war alles andere als ein demokratischer, moderner Staat – Diem, der immer mehr unter den Druck der wachsende n Opposition litt, ließ immer häufiger revolutionäre Gegner einkerkern und umbringen.

Gewalt schürt Gewalt – und so bildete sich im Dezember 1960 aus dem Untergrund eine kommunistisch geführte und von Nordvietnam unterstütze Guerilla-Armee, die von den Amerikanern dann Vietcong genannt wurde. Diese formierte sich meistens tief im Dschungel und holte sich dort allmählich Dorf für Dorf in ihre Gewalt. Diems immer härtere Hand war 1963 sein Todesurteil, er und sein Bruder wurden von Vietcong-Anhängern ermordet, so dass das Militär die Macht übernehmen musste. Dieses war aber sehr korrupt und schwach und so kam es, das Ende 1963 ca. 2/3 der südvietnamesischen Bevölkerung unter der Kontrolle der Vietcong lebten.

Die „amerikanische Phase“

Zwischen dem 2 und 4 August 1964 wurden angeblich 2 amerikanische Zerstörer im Golf von Tonking von nord-vietnamesischen Patrouillenbooten versenkt. Diesen bis heute nicht vollständig aufgeklärte Zwischenfall nahm der wegen seiner Vietnampolitik sowieso schon unter starke Kritik geratene US-Präsident Lyndon B Johnson zum Vorwand für ein massives militärisches Eingreifen seiner Armee. Trotz weltweiter Proteste befahl er die Bombardierung von militärischen Stellungen in Nordvietnam. Nach einigen Monaten waren dann auch Städte wie Hanoi oder Haiphong an der Reihe. Verluste an der Zivilbevölkerung wurden in Kauf genommen. Versuchte Friedensverhandlungen in Paris 1966 waren zum Scheitern verurteilt, man begegnete sich äußerst polemisch und arrogant. Von Anfang an wurden auch kleine Dörfer in Südvietnam angegriffen, in denen Vietcong-Einheiten vermutet wurden, trotz einer nicht gerade lückenlosen Aufklärung. Über 500000 amerikanische Soldaten wurden an der Grenze nach Nordvietnam stationiert, Ho Chi Minhs Regime und somit auch die Vietcong erhielten Waffenlieferungen von der UdSSR und China. Die weltweiten Proteste wurden ignoriert.
Die Kampfhandlungen eskalierten, Napalm-Bomben und Entlaubungsmittel kamen verstärkt zum Einsatz, was aber nichts half.
Die nordvietnamesische Armee und vor allem die im Rücken der Amerikaner immer brutaler agierenden Vietcong behielten aufgrund meist unorthodoxer Kampftaktiken und viel besserer Anpassung an die Bedingungen des Dschungels die Oberhand.
Das Geschehen wurde immer unüberschaubarer, taktische Verbindungen zwischen den amerikanischen Einheiten und deren Führung wurden immer häufiger unterbrochen. Viele Soldaten wurden von den unvorstellbaren Grausamkeiten der Vietcong an Kriegsgefangenen und an der Zivilbevölkerung verunsichert.
Waffenlieferungen an die Vietcong verliefen auch sehr häufig an amerikanischen Stellungen vorbei durch Laos und Kambodscha. Auch Angriffe wurden immer häufiger von dort aus geführt, die Amerikaner schauten aber nicht lange dabei zu und missachteten ebenfalls die Grenzen des Landes. In Laos und Kambodscha bildeten sich deshalb eine Vielzahl von Guerilla-Gruppen mit unterschiedlichen Zielen, die Länder wurden in den Krieg mit hineingezogen. Auch die kambodschanischen „Roten Khmer“ haben in diesen Umständen ihren Ursprung.
Am 30 Januar 1968 begann die Nordvietnamesische Armee zusammen mit den Vietcong die „Tet – Offensive“.
An diesem religiösem Ted-Feiertag rechnete in der amerikanischen Militärführung trotz Hinweise aus Spionagemittlungen und Aufklärungsarbeiten niemand mit einem groß angelegtem Angriff. Dementsprechend groß war seine Wirkung. Er sollte den militärischen Zusammenbruch der Vereinigten Staaten in Vietnam einleiten Kleine Vietcong-Einheiten konnten sogar in die amerikanische Botschaft in Saigon einfallen und einige Tage besetzt halten.
US-Präsident Johnson – von dieser Niederlage stark verunsichert – konnte aufgrund der militärischen Lage und der zunehmenden Kritik in der weltweiten Öffentlichkeit seinen harten Kurs nicht mehr durchsetzen und stellte im März 1968 die Bombardierung des Nordens vorerst ein. Dies war eine wichtige Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen ab Mai 1968 in Paris. Die USA schlugen die „Vietnamisierung“ des Konflikts vor, das amerikanische Engagement sollte sich auf Aufbauhilfe für die südvietnamesische Armee beschränken.
Im November 1968 trat der neue US-Präsident Richard Nixon sein Amt an und versprach die Durchführung der Vietnamisierung, wollte die Soldaten nach und nach zurückholen Im Oktober 1971 fälschte der linksradikale Präsident Thien die Wahlen in Nordvietnam. Er geriet an die Macht und hielt sich nicht an alle Vereinbarungen der „Vietnamisierung“, wie die frühzeitige Herausgabe amerikanischer Kriegsgefangener, oder die Auflösung der Vietcong in Südvietnam. Daraufhin nahmen die USA die Bombardements wieder auf, der Krieg entbrannte erneut, forderte aber ergebnislos weiterhin nur sinnlose Opfer an Menschenleben.

Acht Monate lang versuchten die Amerikaner Nordvietnam in die Steinzeit zurückzubomben.
Erst am 27 Januar 1973 wurde in Paris ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Henry Kissinger, dem amerikanischem Außenminister und Le Duc Tho, dem Außenminister Nordvietnams, unterzeichnet Man einigte sich auf einen vollständigen Abzug des gesamten militärischen Potenzials der USA. Ein Ende der Operationen der Nordvietnamesen war jedoch nicht vorgesehen. Obwohl die USA ihre Verbündeten damit im Stich ließen und somit den Kommunisten auslieferten, erhielt Henry Kissinger den Friedensnobelpreis Le Duc Tho allerdings lehnte den ihm ebenfalls zugesprochenen Preis ab.
Der Krieg in Vietnam war damit noch nicht vorbei. Die Verhandlungen zwischen den vietnamesischen Kriegsparteien zur Bildung eines „Nationalen Versöhnungsrats“ blieben ergebnislos. Vielmehr versuchten beide Seiten ihren Einflussbereich mit Waffengewalt zu vergrößern. Im Süden entbrannte ein blutiger Bürgerkrieg. Die Nordvietnamesen eroberten Stadt um Stadt. Am 30 April 1975 fiel schließlich Saigon, der südvietnamesische Widerstand brach vollständig zusammen.

Folgen, Resultate für Volk und Land

Saigon wurde in „Ho-Chi-Minh-Stadt“ umbenannt, am 2 Juli 1976 wurde die Teilung des Landes durch die Kommunisten wieder aufgehoben und die Sozialistische Republik Vietnam als gesamtvietnamesischer Staat gegründet.
Souverän wurde im ehemaligen Saigon ein Machtapparat aufgebaut, mit selbstverständlicher Härte wurde Südvietnam in das kommunistische System eingegliedert. Ein Reporter der ap meinte nach seinen Recherchen über den Einmarsch der Nordvietnamesen in Saigon :“Diese Selbstverständlichkeit der Kommunisten und die augenscheinliche Gleichgültigkeit der Bewohner Saigons lässt einen der Irrsinn dieses Krieges schrecklich bewusst werden. Hätten die USA vor 20 Jahren das Abkommen unterzeichnet, wäre es damals in den Straßen genauso abgelaufen. 20 Jahre Blutvergießen wäre dem Land erspart geblieben“.
Ganz so schnell wurde es in Vietnam dann aber doch nicht friedlich: auf Machtübernahme der Kommunisten folgte eine Massenflucht. Zehntausende Vietnamesen flohen, zumeist wegen ihrer Zusammenarbeit mit dem alten Regime oder weil sie der jetzt drangsalierten Oberschicht angehörten. Die Nachbarstaaten waren schnell überfordert. Hunger, Vertreibung, Misshandlungen und Massenmord verbreitete sich in ganz Indochina, ein schier unerschöpflicher Nährboden für Terrorgruppen, Guerillas und hauptsächlich antikapitalistische Vereinigungen gedeihte. Das Chaos und die Verwüstung machte das Land zu einem Mekka für kleine und große Kriminalität, Korruption, Terroranschläge, Drogen- und Menschenhandel waren an der Tagesordnung.
Die Folgen des Krieges sind auch heute noch offensichtlich. Man geht heute von über 3 Millionen Toten aus, auf amerikanischer Seite waren es etwa 58000 Gefallene und 18000 Vermisste, bis Mitte der 80er Jahre dauerte es bis die letzten der ungefähr 4000 Kriegsgefangenen in die USA zurückkehren konnten. Es wurden ca. 7 Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam abgeworfen. Fast die gesamte Infrastruktur des Landes wurde anbei zerstört. Die Landwirtschaft musste durch unzählige Napalmbomben starke Landverluste hinnehmen, fast 10 % der gesamten Anbaufläche ist heute noch komplett verwüstet. Missbildungen wie siamesische Zwillinge und sonstige genetischen Schäden in Vietnam werden bis heute auf die Verwendung von Pestiziden zur Entlaubung zurückgeführt.
Der kommunistische Sieg in Indochina löste vor allem in den Vereinigten Staaten einen Schock aus. Die nachfolgenden Regierungen hatten alle Hände voll damit zu tun, dem Eindruck der westlichen Welt, die USA seien keine zuverlässigen Verbündeten mehr, entgegenzuwirken. Weltweit wurde den USA, vor allem aus Studentenbewegungen heraus, eine aggressiv-imperialistische Einstellung vorgehalten, mit jedem Kriegsjahr wuchs der Widerstand aus der amerikanischen Bevölkerung. Vor dem Eingreifen der USA interessierte sich dort kaum jemand für dieses Land aber mit steigenden Ausgaben, höheren Verlusten, schockierenden Bildern im Fernsehen Vietnamkrieg = „living room war“, in vorher nie dagewesen Ausmaßen und ausbleibenden militärischen Erfolgen brachte die US-Regierung immer mehr Amerikaner gegen sich auf.
Amerika warf nicht nur Napalmbomben auf vietnamesische Dörfer, sondern schürte auch die Wut der 68er Generation, die Wut der anitkapitalistischen Terrorgruppen wie die RAF oder diverser Sekten.

Der Zahl der Protestmärsche in der ganzen Welt wuchs, die legendäre Großdemonstration am 15 April 1967 mit 350000 Menschen, geleitet von Martin Luther King, war nur eine von vielen.
Der Krieg zerstörte nicht nur etliche vietnamesische und amerikanische Familien sondern hinterließ auch auch in den Köpfen von Millionen Amerikanern ein tiefes Trauma. Der Mythos der amerikanischen Unbesiegbarkeit wurde im Dschungel Vietnams beerdigt Die Großmacht USA wurde von einem hungernden Entwicklungsland geschlagen.
Heimkehrende Soldaten wurden allzu oft sehr argwöhnisch in ihrer Heimat empfangen, zum einen als „Versager“ andererseits als „Mörder“ beschimpft. Als „Krieg der Arbeiterklasse“ geriet die Miltärpolitik des Weißen Hauses unter Verruf, denn die meisten nach Vietnam Rekrutierten kamen aus armen Verhältnissen – während die Studenten reicher Eltern in Amerika bleiben konnten und ihre gleichaltrigen Mitbürger als „baby-killer“ beschimpften. Selbst unter den Soldaten im Dschungel gab es häufig Rassendiskriminierungen gegenüber schwarzen Landsleuten.
Jahrzehntelang riss die Kette der Schreckensmeldungen aus Vietnam nicht ab, dennoch war dieser Krieg nicht schmutziger als jeder andere.